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Kultur & Tourismus » Kultur » Mano Bouzamour » Mano in Bergen - Ein Erfahrungsbericht

Mein erstes Kapitel in Bergen

von Mano Bouzamour, ab August 2016 „Artist in Residence“ in Bergen

Im Juni 2015 war ich bei den Anne-Frank-Friedenstagen in Bergen. Auf Einladung der Stadt trafen sich junge Leute aus ganz Europa. Die Geschichte des Ortes ist so gewaltig, und wir reflektierten auf eher spielerische Art und Weise, in Lesungen, Debatten und bei Exkursionen, was an diesem waldreichen, friedlichen Ort vor gut 70 Jahren geschah.

Wir kamen aus den Niederlanden, aus Polen, Deutschland und Tschechien. Wir saßen abends gemeinsam beim Essen, danach gingen wir in den Wäldern spazieren und philosophierten darüber, was wir zuvor erzählt und gesehen hatten. Das war angenehm und sehr anspruchsvoll. Die Bilder, wie ein Bulldozer hunderte Leichen zusammenschiebt und achtlos in ein Massengrab verkippt, gingen uns noch lange durch den Kopf. Wir erzählten einander aber auch heitere Geschichten: darüber, woher wir kamen, was wir so machten und was wir schließlich werden wollten, „wenn wir einmal groß sind”. Wir sprachen Englisch, die Sprache verband uns und unsere Gedanken. 

Ich bin 24 Jahre alt, Schriftsteller und Kolumnist einer Zeitung in den Niederlanden. Ich bin verrückt nach Geschichten, vor allem nach Geschichten von früher. Den Zweiten Weltkrieg kenne ich, Gott sei Dank, nur aus Büchern, Filmen und von Computerspielen. Nächtelang wähnte ich mich als bewaffneter amerikanischer Soldat, tigerte durch feindliche deutsche Felder und Wiesen, patrouillierte ruhig und konzentriert auf der Suche nach den POW´s, den Kriegsgefangenen, um sie zu befreien. In den spannenden Kriegsspielchen bekam ich nach erfolgreicher Mission zur Belohnung ein Filmchen zu sehen vom wirklichen Geschehen am Ort, an dem ich mich gerade virtuell bewegt hatte. Ich war darin wie gefangen. Auf diese unterhaltsame Weise habe ich sehr viel über Geschichte gelernt. Wie auch immer, es reizte mich um so mehr, mich in diese Dinge zu vertiefen. Stundenlang schaute ich Kriegsfilme.

Ich las mehrfach das Tagebuch von Anne Frank. Anne faszinierte mich. Unsere Leben scheinen miteinander verwoben. Als Hommage wurde der Satz, mit dem Anne ihr Tagebuch beginnt, zum Motto meines Debütromans: „Ich werde, hoffe ich, dir alles anvertrauen können, wie ich es noch bei niemandem gekonnt habe”. Als ich diesen Satz zum ersten Mal las, war mir, als ob Anne direkt mit mir sprach. Das war ein so starkes Gefühl und ich wollte, dass es auch Leser erfasste, die in meinem Buch zu blättern begannen. Als Kind ging ich im Sommer mit meiner Schwester und ihren Freundinnen oft in Amsterdam ins Mirandabad. Wir liefen an den Haselnussbäumen auf dem Merwedeplatz entlang, sammelten eifrig Nüsse vom Boden auf und zeigten dann auf das Haus, in dem Anne gewohnt hatte, Merwedeplatz 37, 2. Etage. Dort war Anne Frank mit ihrer Familie Zuhause, bevor sie in der Prinzengracht untertauchten, an eben jener Gracht, wo ich nun wohne. Und in Bergen-Belsen, wo sie als Gejagte und Verschleppte schließlich angekommen war, stand ich letzten Juni mit Dutzenden Jugendlichen vor ihrem symbolischen Grabmal. Das war so intensiv. Wir hatten sie nie gekannt, wir kamen alle aus verschiedenen Ländern, wir alle waren „Ausländer” und fühlten uns im Augenblick mit dem jungen Mädchen so verbunden.

Nur wenn du Geschichte kennst, lernst du Ereignisse heute besser zu begreifen, kannst du sie einfacher in Zusammenhängen sehen. Das ist der Grund, warum ich die Initiative, in Bergen ein Internationales Jugendbegegnungszentrum zu errichten, voll und ganz unterstütze. Ich will unbedingt damit auch zu tun haben, wenn ich ab August als Artist in Residence einige Monate in Bergen arbeite. Ich will mithelfen, nach Wegen zu suchen, wie sich junge Menschen der gewaltigen Geschichte auf neue Art nähern, sich mit ihr auseinandersetzen können. Ich will vielen Jugendlichen und Gruppen spannende Geschichten erzählen, will, dass sie mit ihren Handys Filme machen und diese auf YouTube stellen, will Apps entwickeln, die dir an jedem Ort in Bergen erzählen, was hier wann geschah. Ich will die Leute vor allem dazu aufrufen, mitzudenken!

Meine Erfahrungen in Bergen werde ich niederschreiben und auch in meinen laufenden Zeitungskolumnen verarbeiten, damit man zu Hause auf dem Laufenden bleibt über all das, was ich erlebe. Ich freue mich auf all die Erfahrungen, auf die Begegnungen und auf die deutsche Zuvorkommenheit!

Auf Wiedersehen!


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